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title: "Beinaheunfall — das Ereignis ohne Verletzten"
description: "Was ein Beinaheunfall ist, warum ihn keine Vorschrift meldepflichtig macht, und wie ein Meldesystem aussieht, das nicht in Schuldzuweisung endet."
term: "Beinaheunfall"
definition: "Ein ungeplantes Ereignis, das zu einer Verletzung oder einem Schaden hätte führen können, es aber nicht getan hat. Es besteht keine Anzeigepflicht gegenüber dem Unfallversicherungsträger — die Auswertung ist ausschließlich eine betriebliche Entscheidung."
alsoKnownAs:
  - "Beinahe-Unfall"
  - "Near miss"
  - "Gefährliches Ereignis"
jurisdiction: "Deutschland"
locale: "de-DE"
publishedOn: 2026-09-06
reviewedOn: 2026-09-06
canonical: "https://safeally.net/de-de/glossar/beinaheunfall/"
sources:
  - label: "Unfallanzeige — wann und wie sie zu erstatten ist"
    url: "https://www.dguv.de/de/ihr_partner/unternehmen/unfallanzeige/index.jsp"
    publisher: "DGUV"
  - label: "SGB VII § 193 — Anzeige des Unternehmers bei einem Versicherungsfall"
    url: "https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_7/__193.html"
    publisher: "Gesetze im Internet"
  - label: "Zahlen und Fakten der gesetzlichen Unfallversicherung"
    url: "https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/index.jsp"
    publisher: "DGUV"
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# Beinaheunfall — das Ereignis ohne Verletzten

Ein ungeplantes Ereignis, das zu einer Verletzung oder einem Schaden hätte führen können, es aber nicht getan hat. Es besteht keine Anzeigepflicht gegenüber dem Unfallversicherungsträger — die Auswertung ist ausschließlich eine betriebliche Entscheidung.

Zwischen einem Beinaheunfall und einem meldepflichtigen Arbeitsunfall liegt in
der Regel keine andere Ursache, sondern ein halber Meter. Genau das ist das
Argument: Beinaheunfälle sind die einzige Fehlerquelle, die ein Betrieb
auswerten kann, **ohne dafür bezahlt zu haben**.

## Was das praktisch bedeutet

- **Die Meldung ist freiwillig und intern.** § 193 SGB VII verlangt eine
  Unfallanzeige erst bei Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder bei Tod.
  Wer Beinaheunfälle erfasst, tut das für sich.
- **Die Zähl- und Abgrenzungsregel gehört schriftlich fest**, sonst driftet sie.
  Eine Beinaheunfallkennzahl ist nur mit sich selbst vergleichbar.
- **Steigende Zahlen sind zunächst ein gutes Zeichen.** Sie messen Vertrauen in
  das Meldesystem. Wer die Kurve als Verschlechterung liest, bringt sie zuverlässig
  zum Erliegen.
- **Rückmeldung entscheidet.** Was aus einer Meldung geworden ist, muss sichtbar
  werden — sonst ist das System nach einem Quartal ein Briefkasten.
- **Auswertung wie bei einem Unfall**: dieselbe Ursachenanalyse, dieselbe
  Maßnahmenverfolgung, dieselbe Wirksamkeitskontrolle.

## Was er nicht ist

**Kein Erste-Hilfe-Fall.** Sobald jemand versorgt wurde, liegt eine Verletzung
vor; die Eintragung ins Verbandbuch ist dann Pflicht und dient später dem
Nachweis eines Versicherungsfalls.

**Keine Gefährdungsmeldung.** Eine defekte Leiter ist ein Zustand, ein
weggerutschter Tritt ist ein Ereignis. Beides gehört ins System, in derselben
Kennzahl vermischt ergeben sie nichts.

**Und nicht das, was der Begriff in Italien bedeutet.** Dort ist das _mancato
infortunio_ Bestandteil des Organisationsmodells nach D.Lgs. 231 und wird im
INAIL-Formular OT23 bewertet, an dem ein Beitragsnachlass hängt. In Deutschland
hat dasselbe Ereignis keinen externen Adressaten — es lohnt sich nur, weil es
wirkt.
