Die Kennzahlen
1000-Mann-Quote — die in Deutschland übliche Bezugsgröße:
1000-Mann-Quote = (meldepflichtige Arbeitsunfälle × 1 000) ÷ Zahl der Vollarbeiter
Unfallhäufigkeit je Million Arbeitsstunden — international anschlussfähiger:
Unfallquote = (meldepflichtige Arbeitsunfälle × 1 000 000) ÷ geleistete Arbeitsstunden
Ausfalltagequotient — die Schwere, nicht die Zahl:
Ausfalltagequotient = Arbeitsunfähigkeitstage ÷ Zahl der meldepflichtigen Unfälle
Ausfalltage je Million Arbeitsstunden — die international übliche Schwerekennzahl:
Schwerequote = (Arbeitsunfähigkeitstage × 1 000 000) ÷ geleistete Arbeitsstunden
Der Begriff Vollarbeiter ist der Punkt, an dem die erste Formel im Betrieb meistens kippt: gemeint sind Vollzeitäquivalente auf Basis geleisteter Stunden, nicht die Kopfzahl der Belegschaft. Wer die Kopfzahl einsetzt, meldet eine Quote, die systematisch zu niedrig ist — bei hohem Teilzeitanteil erheblich.
Die Umrechnung ist einfach und wird selten gemacht:
Vollarbeiter = geleistete Arbeitsstunden ÷ jährliche Sollarbeitszeit eines Vollzeitbeschäftigten
Es gibt eine fünfte Kennzahl, die in der Praxis fehlt und aussagekräftiger ist als alle anderen:
Neue Unfallrenten je 1 000 Vollarbeiter — die Schwere in bleibenden Folgen statt in Tagen. Sie ist die einzige, die einen dreimonatigen Ausfall ohne Dauerschaden von einem dreiwöchigen mit 20 % Minderung der Erwerbsfähigkeit unterscheidet. Sie ist auch die, die am besten mit dem korreliert, was der Betrieb tatsächlich zahlt.
Was „meldepflichtig” heißt
Meldepflichtig ist ein Arbeitsunfall, wenn eine versicherte Person durch ihn getötet oder so verletzt wird, dass sie mehr als drei Kalendertage arbeitsunfähig ist. Der Unfalltag wird nicht mitgezählt. Die Anzeige geht an den Unfallversicherungsträger.
Das ist eine höhere Schwelle als in fast jedem anderen Land, und sie hat eine direkte Folge für Ihre Zahlen: der deutsche Zähler ist bei gleichem Unfallgeschehen strukturell kleiner. Wer international vergleicht, ohne das zu sagen, sieht besser aus als er ist.
Was regelmäßig fälschlich mitgezählt wird:
- Wegeunfälle, die eine eigene Kategorie sind, in der Beitragsberechnung anders behandelt werden und einer anderen Präventionslogik folgen;
- Bagatellverletzungen aus dem Verbandbuch ohne Arbeitsunfähigkeit — separat zu führen, denn ihre Entwicklung ist ein Frühindikator;
- Beinaheunfälle, die keine Unfälle sind, und deren steigende Meldezahl eine gute Nachricht ist, keine Verschlechterung;
- Berufskrankheiten, die getrennt zu führen sind, weil ihre Latenz die Zuordnung zu einem Jahr sinnlos macht;
- Rückfälle, die die Ausfalltage des ursprünglichen Unfalls verlängern und keine zusätzliche Einheit im Zähler sind.
Im Nenner: die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden. Drei klassische Fehler:
| Fehler | Wirkung auf die Zahl |
|---|---|
| Kopfzahl statt Vollarbeiter | 1000-Mann-Quote systematisch zu niedrig |
| Leiharbeitsstunden weglassen, deren Unfälle aber zählen | Quote künstlich verschlechtert |
| Abwesenheits- und Urlaubsstunden einrechnen | Stunden aufgebläht, Quote künstlich verbessert |
Die Regel: Zähler und Nenner müssen denselben Umfang haben. Wer die Unfälle der Leiharbeitnehmer im eigenen Betrieb zählt, zählt auch ihre Stunden. Wer die Stunden nicht bekommt, zählt die Unfälle nicht — und sagt das, weil die Zahl dann nicht die des Standorts ist.
Vollständiges Rechenbeispiel
Industriestandort, 180 Beschäftigte, Geschäftsjahr 2025.
| Größe | Wert |
|---|---|
| Geleistete Stunden Stammbelegschaft | 262 400 h |
| Geleistete Stunden Leiharbeit (in unserem Betrieb) | 31 600 h |
| Geleistete Stunden gesamt | 294 000 h |
| Jährliche Sollarbeitszeit Vollzeit | 1 700 h |
| Meldepflichtige Arbeitsunfälle | 4 |
| Unfälle mit AU bis 3 Tage (nicht meldepflichtig) | 5 |
| Wegeunfälle | 3 |
| Verbandbucheinträge ohne AU | 27 |
| Gemeldete Beinaheunfälle | 61 |
| Arbeitsunfähigkeitstage (Kalendertage) | 187 |
Die Rechnung.
Vollarbeiter = 294 000 ÷ 1 700 = 172,9
1000-Mann-Quote = (4 × 1 000) ÷ 172,9 = 23,1 — hätte man die Kopfzahl 180 eingesetzt: 22,2. Der Unterschied ist hier klein; bei 30 % Teilzeit wäre er groß.
Unfallquote je Mio. Stunden = (4 × 1 000 000) ÷ 294 000 = 13,6
Ausfalltagequotient = 187 ÷ 4 = 46,8 Tage je Unfall
Schwerequote = (187 × 1 000 000) ÷ 294 000 = 636
Was die Geschäftsführung daraus lesen soll. Vier meldepflichtige Unfälle bei einem Ausfalltagequotienten von 46,8 heißt: wenige, aber schwere Unfälle. Ein Standort mit zwölf Unfällen und 12 Tagen je Unfall hat dreifach so viele Unfälle und ein Viertel der Schwere — die Präventionsschwerpunkte sind nicht dieselben, und eine Kennzahlentafel, die nur die Quote zeigt, lässt das nicht erkennen.
Und die fünf nicht meldepflichtigen Unfälle mit AU bis drei Tage sind die Zahl, die niemand veröffentlicht und die am schnellsten reagiert. Neun Unfälle mit Arbeitsunfähigkeit insgesamt gegen vier gemeldete: wer nur die vier steuert, sieht 55 % des Geschehens nicht.
61 Beinaheunfälle zu 4 meldepflichtigen ist ein Verhältnis von etwa 15:1. Unter 5:1 ist eine Untererfassung der schwachen Signale die wahrscheinlichere Erklärung als vorbildliche Sicherheit.
Die Zahl, die Geld kostet, ist keine der fünf
Das ist der Punkt, den die meisten Kennzahlentafeln verpassen: die 1000-Mann-Quote geht in Ihren Beitrag nicht ein. Der Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung entsteht anders, und das zu verstehen verändert das Gespräch mit dem Controlling.
Wie der Beitrag entsteht
Beitrag ≈ (Lohnsumme × Gefahrklasse × Beitragsfuß) ÷ 1 000
- die Gefahrklasse kommt aus dem Gefahrtarif Ihrer Berufsgenossenschaft und richtet sich nach der Gewerbezweigzugehörigkeit, nicht nach Ihrem eigenen Unfallgeschehen;
- der Beitragsfuß wird nachträglich aus dem Umlagesoll des Trägers bestimmt — das Umlageverfahren finanziert das abgelaufene Jahr;
- Ihr eigenes Unfallgeschehen wirkt darüber hinaus über die Beitragsdifferenzierung nach § 162 SGB VII.
Das Prämien- und Nachlassverfahren
§ 162 SGB VII verpflichtet die Träger, unter Berücksichtigung der anzuzeigenden Versicherungsfälle Zuschläge zu erheben oder Nachlässe zu gewähren — und lässt ihnen erheblichen Spielraum in der Ausgestaltung. In der Praxis heißt das:
- manche Berufsgenossenschaften rechnen ergebnisbezogen, also auf Basis der Unfalllast im Verhältnis zum Durchschnitt des Gewerbezweigs;
- andere führen ein Prämienverfahren für nachgewiesene Präventionsmaßnahmen — Punkte für Gefährdungsbeurteilung, Qualifizierung, technische Investitionen, Managementsysteme;
- einige kombinieren beides.
Die praktische Folge ist unbequem und wichtig: es gibt keine allgemein gültige Aussage darüber, wie sich Prävention bei Ihnen auf den Beitrag auswirkt. Prüfen Sie das Verfahren Ihrer Berufsgenossenschaft, bevor Sie eine Rechnung aufstellen — ein allgemein formuliertes Versprechen fällt in der Sitzung sofort auf, und danach ist der ganze Vortrag entwertet.
Das Prämienverfahren ist dabei der Hebel, der im laufenden Jahr zahlt, während ergebnisbezogene Verfahren mit Verzögerung wirken. Für ein Budgetgespräch ist es deshalb der bessere erste Antrag.
Die Anzeige und ihre Fristen
Hier falsch zu liegen kostet schneller als eine falsche Formel.
| Pflicht | Frist |
|---|---|
| Unfallanzeige an den Unfallversicherungsträger (§ 193 SGB VII) | Drei Tage nach Kenntnis; Unfalltag zählt nicht mit |
| Tödlicher Unfall oder mehrere Verletzte | Unverzüglich, zusätzlich an die Aufsichtsbehörde |
| Beteiligung des Betriebsrats | Die Unfallanzeige ist vom Betriebsrat mitzuzeichnen |
| Durchschrift an die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt | Vorgesehen |
| Verbandbuch / Dokumentation von Erste-Hilfe-Leistungen | Bei jedem Ereignis, Aufbewahrung fünf Jahre |
| Fortschreibung der Gefährdungsbeurteilung | Der Unfall ist ein Anlass nach § 5 ArbSchG |
Zwei Punkte, die überraschen:
- Die Mitzeichnung durch den Betriebsrat wird häufig übersehen. Eine Unfallanzeige ohne sie ist formal unvollständig, und es ist der einfachste Befund, den eine Aufsichtsperson erheben kann.
- Das Verbandbuch ist eine echte Pflicht mit echter Aufbewahrungsfrist. Es dient dazu, später zu belegen, dass eine Bagatellverletzung im Betrieb eingetreten ist — was entscheidend wird, wenn sich daraus Wochen später eine Infektion oder eine Spätfolge entwickelt. Und weil es personenbezogene Gesundheitsdaten enthält, gehört es unter Verschluss, nicht in den Erste-Hilfe-Koffer im Flur.
Die Umstellung auf die elektronische Anzeige
Die digitale Unfallanzeige ist über die Portale der Unfallversicherungsträger seit 2024 möglich. Die Papieranzeige wird bis Ende 2027 stufenweise abgelöst; ab 2028 ist die elektronische Anzeige verpflichtend. Seit März 2024 kann die Anzeige auf Wunsch des Unternehmens über das Serviceportal zusätzlich an die zuständige Arbeitsschutzbehörde übermittelt werden.
Praktische Folge: die Umstellung ist jetzt freiwillig und wird es nicht bleiben. Wer sie vor 2028 vollzieht, gewinnt eine Nebenwirkung, die mehr wert ist als die Pflichterfüllung — die Anzeigen liegen dann strukturiert vor und lassen sich auswerten, statt als PDF-Kopien in einem Ordner zu enden.
Die Kennzahlen, die den meisten Tafeln fehlen
Quote und Ausfalltage sind nachlaufend: sie beschreiben, was schon misslungen ist. Eine Tafel mit zwei nachlaufenden Zahlen trägt keine Entscheidung vor dem Unfall. Was daneben gehört:
| Frühindikator | Was er sagt |
|---|---|
| Gemeldete Beinaheunfälle je Monat und Bereich | Das Vertrauen in die Meldung |
| Verhältnis Beinaheunfälle zu meldepflichtigen Unfällen | Unter 5:1 ist die Meldung eingeschlafen |
| Unfälle mit AU bis 3 Tage | Das schnellste belastbare Signal überhaupt |
| Fristgerecht abgeschlossene Maßnahmen (%) | Ob die Meldung irgendwohin führt |
| Mediane Zeit bis zum Abschluss einer Maßnahme | Der eigentliche Ernsthaftigkeitsindikator |
| Durchgeführte zu geplanten Begehungen | Die Präsenz der Führung vor Ort |
| Innerhalb von 30 Tagen fortgeschriebene GB-Zeilen | Ob die Rückkopplung existiert |
| Überfällige Prüf- und Unterweisungsfristen | Die Compliance-Schuld, in zählbaren Einheiten |
Eine Tafel mit acht Kennzahlen, davon sechs vorlaufend, ist benutzbar. Eine Tafel mit zwei nachlaufenden Kennzahlen ist ein Autopsiebericht.
Warum der Vergleich nicht funktioniert
Mit einer US-Kennzahl
Die deutsche Quote zählt meldepflichtige Unfälle, also solche mit mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit. Die amerikanische TRIR zählt recordable cases — darunter ärztliche Behandlungen ganz ohne Ausfalltag — und bezieht sie auf 200 000 Stunden. Die beiden Zahlen messen weder dieselbe Grundgesamtheit noch dieselbe Basis. Auf demselben Standort ist die TRIR typischerweise ein Mehrfaches der deutschen Quote.
Mit einer französischen Kennzahl
Der französische taux de fréquence verwendet eine Million Stunden und zählt Unfälle ab einem Tag Arbeitsunfähigkeit. Basis und Schwelle unterscheiden sich beide, und der französische Zähler ist auf demselben Standort größer.
Mit einer kanadischen Kennzahl
Kanada rechnet meist in lost-time claims je 100 Beschäftigte, und der Zähler ist ein anerkannter Leistungsfall der zuständigen Provinzkasse. Das ist eine Versicherungsdefinition: ein realer Unfall mit abgelehntem Antrag steht nicht darin.
Der einzige saubere Weg in einem internationalen Konzern: jede Kennzahl mit ihrer Definition und ihrer Basis veröffentlichen und die Entwicklung jedes Standorts gegen sich selbst vergleichen, nicht die Niveaus untereinander. Eine Geschäftsführung akzeptiert diese Antwort gut, wenn sie vor der Frage kommt, und schlecht, wenn sie nach einem Vergleich kommt, der sie schon überzeugt hatte.
Branchenspezifisches
Bauwirtschaft
Das Umfangsproblem dominiert. Die Stunden Ihrer Beschäftigten, Ihrer Leiharbeitnehmer und Ihrer Nachunternehmer auf derselben Baustelle liegen in verschiedenen Beitragskonten bei verschiedenen Trägern. Eine „Baustellenquote” bedeutet nur etwas, wenn gesagt wird, was sie zusammenfasst.
Zusätzlich zu verfolgen: Unfälle je Bauphase — Erdarbeiten, Rohbau, Ausbau — und je Gewerk, was Unterschiede zeigt, die eine Gesamtquote auslöscht.
Industrie und Produktion
Hier sind die Kennzahlen am besten nutzbar, weil die Stunden je Linie und Schicht bekannt sind. Zusätzlich zu verfolgen:
- Unfälle je Betriebszustand — Normalbetrieb, Rüsten, Instandhaltung, Anlagenstillstand. Die Verteilung ist fast immer zulasten der Instandhaltung, und die Standortquote verdeckt es;
- Unfälle je Beschäftigungsdauer am Arbeitsplatz — die Konzentration auf die ersten sechs Monate ist groß und steuert die Einarbeitung direkt;
- Unfälle je Schicht und Schichtstunde — Nacht und Schichtende treten hervor, und das sind organisatorische Hebel, keine Bewusstseinsfragen.
Logistik und Verkehr
Der Straßenverkehr sprengt die Kategorien: ein Verkehrsunfall während einer Tour ist ein Arbeitsunfall, kein Wegeunfall, und er gehört in den Zähler. Viele Betriebe ordnen ihn falsch als Wegeunfall ein, was die ausgewiesene Quote verbessert und die Priorisierung verfälscht.
Zusätzlich: Unfälle je gefahrenen Kilometer — der einzige sinnvolle Nenner für das Verkehrsrisiko —, Unfälle an der Rampe und abseits der Rampe getrennt, und Muskel-Skelett-Belastungen der Kommissionierung, die als Berufskrankheit und nicht als Unfall auftreten.
Gesundheitswesen und Pflege
Besonderer Zähler: Nadelstichverletzungen sind Arbeitsunfälle und sollten unabhängig von der Arbeitsunfähigkeit erfasst werden, mit eigenem Protokoll und serologischer Nachuntersuchung. Dazu kommen Unfälle bei der Personenbewegung, die die Schwere dominieren, und Aggressionsereignisse, deren Untererfassung strukturell ist.
Büro und Verwaltung
Die Quote ist niedrig und damit statistisch instabil: bei 200 Bürobeschäftigten verschiebt ein Unfall die Quote von 0 auf etwa 6, und wer diese Zahl monatlich verfolgt, erzeugt Rauschen. Stattdessen zu verfolgen: Kurzzeit-Krankenstand je Bereich, psychisch bedingte Ausfälle, Beschwerden im Zusammenhang mit Bildschirmarbeit und mobiler Arbeit, und das Verkehrsrisiko der Außendienstler, das oft das einzige real schwere Risiko des Unternehmens ist.
Was ein Audit oder eine Besichtigung prüft
- Das Verbandbuch existiert und wird geführt, unter Verschluss, mit fünfjähriger Aufbewahrung.
- Die Unfallanzeigen sind innerhalb von drei Tagen erfolgt.
- Sie sind vom Betriebsrat mitgezeichnet.
- Tödliche Unfälle wurden unverzüglich zusätzlich der Aufsicht gemeldet.
- Die Ursachenanalysen gehen über die unmittelbare Ursache hinaus.
- Die Gefährdungsbeurteilung wurde nach jedem Unfall fortgeschrieben.
- Die Kennzahlendefinitionen sind schriftlich — Umfang, Zähler, Nenner, Herkunft der Stunden.
- Die Definition hat sich nicht unbemerkt geändert, und die Historie ist nachgerechnet.
- Die Maßnahmen aus Unfällen haben Verantwortliche, Termine und Status.
Der siebte Punkt überrascht. Eine Kennzahl, deren Definition nicht geschrieben steht, ist nicht auditierbar, und sie hat sich in drei Jahren mindestens einmal geändert, ohne dass sich jemand erinnert — fast immer beim Wechsel der Person auf der Stelle.
Formulierungsmuster
Die Definitionsnotiz — eine Seite, einmal geschrieben.
Unfallquote — Definition, Standort [X], Fassung 2026-01 Zähler: meldepflichtige Arbeitsunfälle (AU über drei Kalendertage oder Tod) von Stammbeschäftigten und von Leiharbeitnehmern in unserem Betrieb. Ausgenommen: Wegeunfälle, Verbandbuchfälle ohne AU, Berufskrankheiten, Rückfälle (dem Ursprungsunfall zugeordnet). Nenner: tatsächlich geleistete Arbeitsstunden aus der Lohnabrechnung, Stamm und Leiharbeit, Mehrarbeit eingeschlossen, Abwesenheit und Urlaub ausgeschlossen. Basis: 1 000 000 Stunden. Zusätzlich als 1000-Mann-Quote auf Vollarbeiter, Sollarbeitszeit 1 700 h. Quelle der Stunden: Monatsauswertung Lohn, Lohnart [Y]. Veröffentlichung: monatlich, rollierende zwölf Monate. Historie: unverändert seit 2024-01. Jede Änderung wird hier datiert und die Historie nachgerechnet.
Der Absatz für die Kennzahlentafel, der die falsche Frage verhindert.
Unfallquote rollierend 12 Monate: 13,6 je Mio. Stunden (2024: 17,0); 1000-Mann-Quote 23,1 (2024: 28,9). Ausfalltagequotient 46,8 Tage (2024: 31). Weniger Unfälle, höhere Schwere: beide Unfälle mit über 60 Tagen AU waren manuelle Lastenhandhabung in der Konfektionierung, Bereich COND-02 — der Schwerpunkt der laufenden Maßnahmen. Nicht vergleichbar mit der Konzern-TRIR: andere Definition und Basis, siehe Definitionsnotiz. Zusätzlich: fünf Unfälle mit AU bis drei Tage, nicht meldepflichtig, in der Quote nicht enthalten.
Formulierungen, die ein Problem sind.
| Was oft dasteht | Warum es ein Problem ist | Was stattdessen |
|---|---|---|
| „Quote um 20 % gesunken” | Bei 4 Unfällen ist einer weniger −25 %: das ist Rauschen | „4 Unfälle gegenüber 5: bei dieser Exposition keine belastbare Veränderung” |
| „Ziel: null Unfälle” | Unterhalb einer bestimmten Größe nicht messbar, und drückt die Meldung | „Ziel: 100 % der Maßnahmen innerhalb von 60 Tagen abgeschlossen” |
| „Besser als der Branchendurchschnitt” | Vergleicht eine Stundenquote mit einer Kopfzahlquote | Die 1000-Mann-Quote gegen die des Gewerbezweigs, oder nichts |
| „Beinaheunfälle gestiegen” | Als Verschlechterung dargestellt, obwohl es Fortschritt ist | „Meldung schwacher Signale um 40 % gestiegen: das System funktioniert” |
| „Sicherheitsprämie an die Quote gekoppelt” | Bezahlt das Nichtmelden | An Frühindikatoren koppeln, nie an die Unfallquote |
Der letzte Punkt gehört klar gesagt, weil er verbreitet und kontraproduktiv ist: eine Gruppenprämie an der Unfallquote kauft Schweigen, nicht Sicherheit. Der beobachtbare Effekt ist ein Rückgang der Meldungen ohne Veränderung des schweren Unfallgeschehens — das versteckt sich nicht. Wenn eine Prämie sein soll, koppelt sie an das, was die Belegschaft durch besseres Arbeiten beeinflussen kann: Meldungen, abgeschlossene Maßnahmen, durchgeführte Begehungen.