Der Wegeunfall ist versicherungsrechtlich ein Arbeitsunfall und kennzahlentechnisch keiner. Diese Doppelnatur erklärt die meisten Fehler in Reportings: Er ist über die Berufsgenossenschaft versichert, er ist bei mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit anzuzeigen — und er steht in der DGUV-Statistik in einer eigenen Reihe, getrennt von den meldepflichtigen Arbeitsunfällen, aus denen die 1000-Mann-Quote und die Unfallquote je Million Arbeitsstunden gebildet werden.
Was das praktisch bedeutet
- Versichert ist der unmittelbare Weg, nicht jeder Weg. Der Versicherungsschutz beginnt mit dem Durchschreiten der Außentür der Wohnung.
- Bestimmte Abweichungen bleiben versichert — insbesondere Umwege, um Kinder wegen der beruflichen Tätigkeit fremder Obhut anzuvertrauen, oder um mit anderen gemeinsam zu fahren. Der private Einkauf unterwegs ist es nicht; nach Rückkehr auf den direkten Weg lebt der Schutz wieder auf.
- Anzeigen ist trotzdem Pflicht. „Zählt ja nicht” ist der Satz, mit dem Meldungen unterbleiben — und dann fehlt dem Beschäftigten der Nachweis.
- Home-Office verschiebt die Grenzen. Wege innerhalb der Wohnung sind inzwischen in bestimmten Konstellationen einbezogen; die Abgrenzung ist der Streitpunkt der Rechtsprechung.
Was er nicht ist
Keine Dienstreise. Ein Unfall auf einer beruflich veranlassten Fahrt ist ein Arbeitsunfall, wird dem Unternehmen zugerechnet und zählt in die Kennzahlen. Der Unterschied liegt im Anlass der Fahrt.
Kein Grund, die Kennzahl zu erhöhen. Wer Wegeunfälle in die Unfallquote aufnimmt, macht sie unvergleichbar — mit der eigenen Vorjahreszahl ebenso wie mit den Branchenwerten der DGUV.
Und nicht in allen Ländern gleich behandelt. Frankreich zahlt den accident de trajet aus einer eigenen, für alle gleichen nationalen Umlage, statt ihn dem Betriebskonto zuzurechnen; Spanien behandelt den accidente in itinere für die Leistungen als Arbeitsunfall und lässt ihn aus dem índice de incidencia heraus; Italien indemnisiert den infortunio in itinere und hält ihn aus den Häufigkeitsindizes fern. Ein Konzernbericht, der die vier Zahlen addiert, misst nichts.